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J.J.Hochstein, Hafen,1928, Privatbesitz

Schnell noch einen Kaffee, Fräulein Müller! Bevor er kalt ist!
von J.M.Mielert

"Healthcare" ist für die führenden High-Tech-Unternehmen einer der wachstumsstärksten Absatzmärkte überhaupt. Die Zukunft aller Wertschöpfungsketten im Gesundheitswesen orientiert sich an den Parametern einiger weniger Player weltweit. Diese Entwicklung wird in Reihen der deutschen Politik weitgehend ausgeblendet. Zwar ist Deutschland noch immer einer der führenden Forschungsstandorte weltweit, jedoch sind die Denk- und Handlungsmuster in den regulativ agierenden Verwaltungen kapital rückständig. Das macht sich nicht nur im industrie- und kommunikationspolitischen Umfeld bemerkbar, wo Deutschland nun mit Jahren Verspätung über die 5G-Technologie mit geradezu planwirtschaftlicher Attitüde kleinschrittig vorgeht, sondern auch bei der mittelfristigen Finanzplanung des Landes. Ganze Heerscharen von Arbeitern basteln 2018 an Kabelstrukturen für die technisch längst überalterte Breitbandversorgung herum, während beispielsweise in den asiatischen Staaten, nicht minder aber auch im Baltikum die 5G-Standarts seit mehreren Jahren flächendeckend Normalität sind und Konsumenten annähernd kostenfrei zur Verfügung stehen. Erinnert man den medialen Auftritt anlässlich zurückliegender Sportevents in Südkorea, dann wurde die Rückständigkeit hier zu Lande tragisch offenkundig.

Wer macht was im Moment? Dr. Simos Kos treibt im Namen seines Arbeitgebers Microsoft mit schier unglaublicher Energie und unter Einsatz nahezu unlimitierter Mittel die Entwicklung der Vernetzung von Medizin und Pflege voran. Die technischen Parameter sind dabei nicht nur auf reine Daten- und Informationsübermittlung focusiert, das wäre ein längst bestellter Acker. Microsoft arbeitet mit Wucht an Automatisierungsprozessen in der Diagnostik und der praktischen Umsetzung pflegerischer Handreichungen unter Einsatz autonomer, technischer Entscheidungsabläufe. Das ist nicht nur ein spannendes Feld, sondern die kaum vorbereitete Dienstleistungssparte in Europa, die noch mit Spritze und Tupfer, Kugelschreiber und Zettel über die Flure der Kliniken rennt, wird sich binnen weniger Jahre mit deutlichen Qualifikationslücken beschäftigen müssen. Noch stehen die Prototypen hochleistungsfähiger Roboter in den Kellern bei Microsoft, in 10 Jahren jedoch wird sich die dann längst und weitgehend automatisierte Versicherungswirtschaft um diese Apparate reissen und heutige, antiquiert anmutende Kostentools schliessen.

Bei Apple arbeitet man prinzipiell und seit jeher an vollständig gekapselten Systemen, um Abhängigkeiten marktübergreifend zu schaffen. Apple steht bereits heute mit technischen Parametern zur Individualdiagnostik am Start und erste Vernetzungskomponenten sind längst Realität. So ist Apple bereits heute in der Lage, wesentliche Vitaldaten eines Menschen online zu überwachen und an sowohl die Akteure im Gesundheitswesen, als auch und beispielsweise an die Rechnertools der Versicherungswirtschaft zu kommunizieren. Die Apple Watch ist weit ausgereifter, als der heutige Konsument vermuten würde. Die Watch ist eine flächendeckend funktionierende Schnittstelle zwischen Patient und kostenbewusster Gesundheitsindustrie. Heute steckt man sich noch im Wartezimmer des Hausarztes an den Erkrankungen der Mit-Wartenden an. In wenigen Jahren wird Apple längst vor dem Patienten selbst wissen, wann er krank werden wird und aktiviert dann Versorgungsprozesse, die bewirken werden, dass dem Patienten längst vor dessen erstem Unwohlsein die richtigen Tabletten zum Frühstück serviert werden. Die weitgehend automatisierte Versicherungswirtschaft wird gigantische Profite generieren und der Landarzt braucht kein Wartezimmer mehr.

Schaut man sich die Aktivitäten bei Google an, dann wird klar, in welche Richtung die Reise geht. Dort wird an der Digitalisierung des Menschen geforscht und gearbeitet. Implantierte Microchips werden die fehlerüberfrachtete Basisdiagnostik von Menschen an Menschen ersetzen. Der Arzt braucht nicht nur kein Wartezimmer mehr, er wird erst bei Vorliegen gesicherter Diagnosen überhaupt in den Behandlungsprozess eingebaut. Sein Wirken wird dabei weniger medizinisch-fachlich sein, sondern befriedigt dann eher eine soziale Notwendigkeit im Umgang mit dem Patienten. Wenn heute der Hausarzt im Lichte gestiegener Cholesterinwerte dem Patienten ein regulierendes Präparat appliziert, werden morgen bereits technisch generierte Massnahmen greifen, die den Cholesterinwert des medial überwachten Patienten erst gar nicht ansteigen lassen. Die künstliche Intelligenz wird die Handlungsparameter des Menschen bestimmen. Anfänglich wird es zu Skepsis in allen Sparten der Gesellschaft kommen, doch der Mensch ist schlussendlich ein Gewohnheitstier...

Die Technologie-Giganten sind nicht nur Treiber im System, sondern in erster Linie Getriebene. Wer nicht mit Billionen-Investitionen forscht und umsetzt, wird vom Markt verschwinden. Längst vor 2040 oder 2045 werden wir erleben, dass Player im Gesundheitsmarkt Gen-Therapien umgesetzt haben werden. Mit den Mitteln der künstlichen Intelligenz werden dann am Erbgut des Patienten Stellschrauben bewegt werden, schlussendlich zu seinem Wohl. Gen-Editing wird die molekurare Medizin binnen weniger Jahre komplett verändern, die Multi-Billionen-Butgets der Konzerne werden ihre Wirkung nicht verfehlen. Regenerative Medizin wird zum Thema in den Fluren erstaunter Lobbyisten und Politiker werden, gar zumal diesen Technologien dann mit dem Argument der Nachhaltigkeit auch Traditionalisten folgen werden. Ganze Brigaden hochverdienter Persönlichkeiten werden mit dem Brustton der Überzeugung an den tatsächlichen Themen unserer Zeit vorbei argumentieren, publizieren und regieren. Entgegen manigfacher heutiger Prognosen und auch entgegen ethikbezogener Bremswirkungen diverser Glaubensrichtungen wird es eine weitflächige Akzeptanz bei den Menschen für die Technologien einiger, weniger Player im Markt geben. Schenkt man dem Patienten von morgen eine hochprofitable Vorzugsaktie, wird er sich eilig den universaltätigen Chip des Aktienemittenten implantieren lassen und wenn dann noch die  Krankenversicherungsprämie um 25% fällt, dann hat sowohl der Anwender, als auch der Gesundheits- und Sozialpolitiker keine arbeitsmarktstrukturierten  Bedenken mehr ob des Wohls der beschäftigungslos gewordenen Angestellten im Versicherungsbüro oder der Arztpraxis um die Ecke.

In Deutschland wird man auch noch weitere Legislaturen lang im Tiefschlaf verharren und man wird sich über die Frage unterhalten, ob ein 12-jähriger Bengel nun mit oder ohne WLAN-Tablet in der Schule Wissen vermittelt bekommen soll und ob ein bildungspolitisch sinnvoller Eingriff des Bundes die Länderhoheit verletzen könnte. In anderen Staaten, auf die wir heute unverdient hochnäsig heruntersehen und die wir als "Dritte-Welt" bezeichnen, muss sich um die Frage des WLAN-Ausbaues in Schulen längst niemand mehr kümmern, weil dort bei Vorhandensein modernster, mobiler Netzstrukturen gar kein WLAN mehr gebraucht wird. Europa beherbergt und beheimatet nicht einen einzigen der volkswirtschaftlich systemrelevanten Tech-Giganten, die den Gesundheitsmarkt der Zukunft bestimmen werden. Auch das Land der Denker und Tüftler im Herzen Europas wird eine Zäsur erleben, deren Wirkmächtigkeit besonders deshalb so überdurchschnittlich sein wird, weil die traditionellen Denk- und Handlungsmuster eigenverantwortlicher Gewohnheiten radikale Umkehr und mithin soziale Verwerfung erfahren werden.

Als im Juni 2013 im Vorwege der damaligen Bundestagswahl deutlich über 500 Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft die "Wolfsburger Erklärung" unterzeichneten und sowohl Bildungsreformen, als auch technische Investitionen in den allgemeinen und den Hochschulbetrieb Deutschlands anmahnten, sah man Zukunftskongresse noch sektenähnliche Veranstaltungen an. "Damals" eiferte man um LTE-Standarts und nicht wenige der seinerzeitigen Meinungsbildner hatten noch ein 3G-Mobiltelefon in der Hosentasche. Heute ist das alles schon so "kalter Kaffee", dass selbst in Entwicklungsländern 12- und 15-jährige Kinder diese Geräte nicht mehr geschenkt haben wollen. Ob den Akteuren in Berlin, die sich gerne mit Nationalismen und Richtungsentscheidungen nach links, zur Mitte oder nach rechts zu profilieren suchen, die Geschwindigkeit des durchfahrenden Zuges bewusst ist, darf ernsthaft bezweifelt werden.

Schnell noch einen Kaffee, bevor er in der Kanne kalt ist...


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